Segelschulschiff "Gorch Fock"
Alle, das Segelschulschiff "Gorch Fock" betreffende Texte und Zeichnungen sind der Schriftenreihe "Soldatisches Wissen, Marine, Seemännischer Dienst", Author: KptLt. Hans von Stackelberg ent- nommen.
Die Wiedergabe auf dieser Internet-Seite erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Authors und ehe-maligen Kommandanten des Segelschulschiffes "Gorch Fock",
Kapitän zur See a.D. Hans Freiherr von Stackelberg.
"`Rahsegler im Rennen`- keine falsche Romantik sollte ihnen angedichtet werden: es sind nicht `Die letzten Segelschiffe`, und auch ihre Lieder und Shanties werden weitergesungen in alle Zeiten, allen wehmütigen Betrachtungen in Presse und Funk zum Trotz, denn, was die wenigsten in Deutschland wissen, über zwanzig Rahschiffe fahren in der freien Welt für die seemännische Erziehung."
Hans Engel, Kommandant SSS "Gorch Fock" von 1962 bis 1965
Stehendes Gut und Spieren
Auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" sind alle Masten, Stengen und Rahen sowie der Bugspriet, Besanbaum und die Besangaffel aus Schiffbaustahl. Die Untermasten des Fock-und Großmastes werden in der Höhe der Unterrahen zur besseren seitlichen Abstützung durch die Marsen unterteilt. Der Teil oberhalb der Marsen führt die Bezeichnung "Marsstenge", obwohl die Untermasten bis zum Stengetopp aus einem Stück sind. An den Stengetoppen befinden sich die Bramsalinge. Sie stellen eine feste Verbindung zwischen den Untermasten und den Bramstengen dar und nehmen den seitlichen und senkrechten Druck auf, den die Stengen am Fuß auf die Untermasten ausüben. Über den Topp der Untermasten ist das Eselshaupt gestreift, das zur Führung der Bramstenge dient.
Der Besanmast wird oberhalb des Gaffellümmels durch die Besansaling unterteilt, die der besseren seitlichen Abstützung dient.
Abmessungen
Fockmast.............. 45,3 m über KWL
Großmast............. 45,5 m über KWL
Besanmast .......... 40,0 m über KWL
Fock und Großrah.. 24,0 m
Bugspriet.............. 9,6 m
Besanbaum ......... 16,4 m
(KWL = Konstruktionswasserlinie)
I. Allgemeine Takelkunde und Begriffsbestimmungen
1. Spieren: Als Spieren bezeichnet man alle Rundhölzer, die dem Rig zur Aufnahme, Leitung oder Befestigung von laufendem Gut dienen.
a) Der Bugspriet wird gehalten nach oben durch die Stagen des Vortopps, seitlich durch die Back-stagen und nach unten durch das große und das kleine Wasserstag. Der Bugspriet dient dem Setzen der Vorstagsegel.
b) Die Stengen verlängern die Masten von der Bramsaling an aufwärts und tragen die Rahen der oberen Segel (Bram und Royal). Beide Stengen (an Fock- und Großmast) können nötigenfalls nach unten weggefiert werden.
c) Die Rahen halten und tragen die Rahsegel und geben diesen die gewünschte Stellung zum Wind. Sie werden horizontal bewegt und gekantet durch die an ihren Nocken angebrachten Brassen, vertikal durch die Toppnanten, soweit diese (wie bei Fock- und Großrah) beweglich gehalten sind. Die Unterrahen (Fock- und Großrah) sowie die Untermarsen sind feste Rahen. Obermars -, Bram- und Royalrah sind beweglich; sie werden zum Segelsetzen geheißt. Die Segel sind mit ihrem oberen Liek an die Rahen angeschlagen. Gleichzeitig nehmen die Rahen die Schoten der darüber befindlichen Segel auf und leiten diese an Deck.
d) Gaffeln und Besanbaum sind bewegliche Spieren am Besanmast und nehmen zwischen sich den oberen und unteren Besan auf.
2. Stehendes Gut ist Stahldrahttauwerk zum Abstützen der Masten und Stengen. Es ist unbeweglich und auf Spannschrauben gesetzt.
a) Stagen sind einfach oder doppelt geschoren und stützen die Masten und Stenge nach voraus ab. Die Stagen dienen gleichzeitig als Leiter für Vor-, Groß- und Besanstagsegel.
b) Wanten sind seitliche und gleichzeitig stärkste Abstützung der Masten und Stengen. Man unterscheidet die Unterwanten, die Marsstengewanten und die Bramstengewanten. Unterwanten dienen zur Abstützung des Untermastes, Marsstengewanten zur Abstützung des Mastes oberhalb der Mars ( ein fester Teil des Mastes, auch Marsstenge genannt), Bramstengewanten dienen zur Abstützung der als Verlängerung des Untermastes gesondert aufgesetzten Bramstenge. Die Verbindung zwischen den jeweils unteren und oberen Wanten bilden die Püttingswanten, die schräg über die Mars- bzw. Bramsaling führen. Alle Wanten sind ausgewebt.
c) Pardunen stützen Masten und Stengen nach achtern ab.
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